Die Distribution CachyOS ist einfach zu installieren und läuft sehr schnell. Bei der Paketverwaltung gibt es Licht und Schatten. Hier lest ihr, wie es besser geht.
Wer hier regelmässig mitliest, weiss, dass ich CachyOS auf einem alten i5-Notebook zu Testzwecken installiert habe. Mit dieser Arch-basierten Distribution haben wir uns bereits in mehreren Artikeln beschäftigt. Dafür gab es mehrere Gründe:
- Interesse am Distro-Hopping
- Eine Alternative für Manjaro finden (falls das überhaupt nötig ist)
- Wie gut eignen sich Arch-basierte Distros für Einsteiger und Fortschrittene?
- Ist CachyOS sauschnell? Ja, ist es!
Mein besonderes Interesse galt der Paketverwaltung bei den Arch-Ablegern, weil ich das bisher als Manko empfunden habe. Was nützt mir ein optimierter Kernel und auf Leistung kompilierte Pakete, wenn die Paketverwaltung ein Krampf ist? Ich möchte betonen, dass es mir nicht um die Arch-Profis geht, die alle Pacman-Befehle im Schlaf aufsagen können, sondern um die durchschnittlichen Anwender:innen.
Wie ihr hier nachlesen könnt, ist die Installation von CachyOS dank des Calamares-Installers sehr einfach. Generell gilt das für alle Arch-Derivate, also auch für EndeavourOS, Manjaro und für Arch selbst, dank des neuen Arch-Installers 4.0. CachyOS überzeugt nicht nur mit seiner einfachen Installation und der Geschwindigkeit, sondern auch durch die Welcome-Anwendung, die eine gute Einführung in die Distribution und ihre Systemwerkzeuge bietet.
Womit CachyOS, EndearvourOS und Arch Linux gar nicht überzeugen, ist das Paketmanagement. Was heisst das:
- Unterstützung von verschiedenen Paketformaten in einer Anwendung
- Präsentation der verfügbaren Anwendungen
- Installation und Deinstallation von Anwendungen
- Information über Updates
- Durchführen der Updates
Die oben genannten Distributionen bieten ein halbgares Sammelsurium von verschiedenen Werkzeugen, die dem heutigen Anspruch an eine Paketverwaltung nicht gerecht werden. Bei CachyOS gibt es eine Update-Benachrichtigung, die mir grundsätzlich gut gefällt:

Diese Benachrichtigung ist standardmässig aktiviert in der Welcome-App "CachyOS Hello" und dort unter "Apps/Tweaks" bei "Cachy Update aktivieren". Dahinter steckt die Datei "arch-update-tray.desktop" im Ordner "~/.config/autostart". Leider fehlt bei CachyOS die Liebe zur Desktop-Umgebung. Wie ihr seht, habe ich mich bei der Installation für den GNOME-Desktop entschieden. Wie ihr vielleicht wisst, unterdrückt GNOME Systray-Icons, weshalb ihr zwar eine Benachrichtigung über anstehende Updates erhaltet, aber nichts damit machen könnt. Die Benachrichtigung erscheint und ist gleich wieder weg.
Um das zurechtzurücken, sind zwei Aktionen notwendig, auf die man nicht ohne mittlere Kenntnisse kommt:
- Den richtigen Erweiterungs-Manager installieren (den blauen, nicht den grünen)
- Die Erweiterung AppIndicator and KStatusNotifierItem Support installieren
Danach erscheint das Icon für den Cachy-Updater im Systray. Dort werden anstehende Updates aufgeführt, die man mit "Nach Updates suchen" aktualisieren kann. Mit einem Klick auf "Cachy-Update ausführen" rennt ein Skript im Terminal los:

Der Cachy-Updater kümmert sich nur um die nativen Pakete aus den Cachy-Repositories, welche auf den Arch-Repositories aufbauen. Wer zusätzlich Flatpaks, Snaps oder AppImages verwendet, darf hier nichts erwarten. Und nein, ich möchte jetzt nicht diskutieren, ob zusätzliche Paketformate sinnvoll sind.
In der vergangenen Woche habe ich Shelly als Paketmanager für CachyOS vorgeschlagen. Was zunächst gut aussah, möchte ich jetzt nicht mehr empfehlen. Der Grund dafür liegt nicht in der Funktionalität, sondern in einem Darstellungsfehler, den ich erst seit heute bemerke:

Das Shelly-Fenster lässt sich (horizontal) nicht skalieren, weshalb es rechts und links über den Desktop hinausragt. Generell verhält sich die Shelly-Anwendung bockig, wenn es um die Fenstergrösse geht. Daher: "sudo pacman -R shelly", um Shelly zu entfernen.
Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?
Wie ihr wisst, halte ich Manjaros Pamac für den besten Paketmanager für Arch-basierte Distributionen, wenn es um die Erfüllung der ganz oben genannten Kriterien geht. Bisher dachte ich, dass die Installation von Pamac unter Arch-Derivaten nur über das AUR-Paket möglich ist, was ich nie verstanden habe. Ich vermeide AUR-Pakete so gut wie möglich, sind sie doch ein Hauptgrund für Probleme, die man bei Arch haben kann. Ein AUR-Paket ist nicht besser als eine Windows-EXE, die man von irgendwo herunterlädt und installiert.
CachyOS verwendet nicht die originalen Arch-Repositories, sondern pflegt eigene Kopien mit rekompilierten und zusätzlichen Paketen, ähnlich wie bei Manjaro. Zu meiner Überraschung ist Pamac in den Cachy-Repos enthalten, weshalb man es ganz einfach mit "sudo pacman -S pamac" installieren kann.
Wie gut das funktioniert, kann ich noch nicht sagen. Nach einem Neustart meldet der Cachy-Updater sogleich ein neues Paket, während Pamac noch nichts davon weiss. Ich werde die Sache weiterhin beobachten. Wie gut ein Paketmanager funktioniert, kann man erst nach ein paar Wochen sagen. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Fazit
CachyOS ist einfach zu installieren, ist sehr schnell und hat Defizite bei der benutzerfreundlichen Paketverwaltung. Der Cachy-Updater funktioniert grundsätzlich gut, falls man ihn an die Desktop-Umgebung angepasst hat, damit er überhaupt läuft. Als vollständige Paketverwaltung lässt sich Pamac nativ (ohne AUR) installieren. Ob und wie gut dieses Zusammenspiel im täglichen Einsatz funktioniert, wird sich zeigen. Ich bin zuversichtlich.
Doch was sich auch zeigt, ist, dass eine technisch tolle Distribution, noch lange keine benutzerfreundliche Distribution ist.
Titelbild:
Quellen: im Text
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