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2024 Woche 18

5. Mai 2024

Nachdem ich über meine Erfahrungen mit dem Google Pixel-Tablet berichtete und dort über die Nutzung von Vanadium (Chromium-Fork) schrieb, kam die Frage auf, was ich eigentlich auf dem Desktop nutze. Natürlich Firefox! Aber ein bisschen angepasst. Allerdings gar nicht so sehr.

Es gibt keine freien Alternativen zu Firefox

Linux-Anwender haben eigentlich kaum Alternativen zu Firefox. Kleinere Browser wie GNOME Web (früher Epiphany) oder Falkon basieren auf Rendering-Engines in Qt oder GTK. Bei Qt kommt die auf Chromium basierende qt-webengine zum Einsatz. Selbst die neueste Qt-Version hinkt hier viele Versionen hinterher und der Sicherheitsstatus ist mehr als fraglich. Für die Darstellung im RSS-Reader oder Mailclient mag das reichen, den Browser sollte man damit nicht betreiben. Bei GTK sieht es mit libwebkitgtk nach einer Sicherheitsoffensive etwas besser aus, auch weil man auf WebKit und nicht auf Chromium als Basis setzt, aber auch hier würde ich mein Tor zum Internet nicht von den Sicherheitsfunktionen dieses Projektes abhängig machen wollen.

Gleiches gilt für die zahlreichen Firefox-Forks, die in der letzten Zeit entstanden sind. Die Entwickler von LibreWolf, Waterfox, Pale Moon und Konsorten haben immer wieder extreme Schwierigkeiten mit der Entwicklung bei Firefox Schritt zu halten. Sicherheitsupdates kommen oft stark verzögert an. Das ist inakzeptabel für einen Browser.

Viele haben massive Vorbehalte gegen Chromium, weil wir durch die ausschließlich Verwendung von Chromium und dessen Forks eine durch Google kontrollierte Monokultur für den Webzugang entstehen lassen. Je geringer der Marktanteil bei Chromium-Alternativen wie Firefox ist, desto höher dürfte prozentual derjenigen ausfallen, die sich genau deshalb für Firefox & Co entscheiden. Aber selbst wenn man diesen Aspekt außer Acht lässt, ist Chromium unter Linux kein sicheres Produkt. Chromium selbst ist sehr schwer zu paketieren und die Updateschlagzahl sehr hoch. Google verfolgt hier seinen üblichen Open-Core-Ansatz, der aber auf die Nutzung des proprietären Produkts abzielt und gerade nicht die Nutzung des freien Kerns durch den Nutzer erleichtern soll. Das kennt man auch von Android. Distributionen wie RHEL oder SLED haben Chromium daher gar nicht offiziell im Programm und verweisen direkt auf Firefox. Von den größeren Distributionen schaffen es bislang nur Debian und Arch einigermaßen zeitnah aktuelle Versionen bereitzustellen. Alle anderen Distributionen hinken mehr oder weniger stark hinterher, was durchaus kritisch zu sehen ist.

Unfreie Chromium-Varianten wie Chrome (Google) oder Edge (Microsoft) haben dieses Problem nicht. Das gilt ebenso für die nicht transparent entwickelte Chromium-Varianten Brave (Brave Software) und Vivaldi (Vivaldi Technologie) aber ich persönlich habe ein ziemliches Problem damit ein freies Desktop-Betriebssystem zu nutzen, um dann einen unfreien Zugang ins Web zu wählen.

Welche Addons?

Ich persönlich glaube, dass bei Addons weniger mehr ist. Grundsätzlich und immer. Denn Addons sind immer potenzielle Verursacher von Fehlern und Sicherheitslücken. Das gilt für Firefox und jede andere Software mit Extension-Schnittstelle. Dementsprechend haben mich die Änderungen der letzten Jahre auch nicht so sehr abgeschreckt, wie die Nutzer, die ihren Zoo an Addons portieren mussten. Ganz ohne Addons geht es aber nicht.

Tracking-Blocker: uBlock

Firefox hat einen eingebauten Tracking-Blocker. Dieser ist nicht schlecht, lässt aber einige Werbe- und Trackingfunktionen durch. Ein zusätzlicher listenbasierter Blocker ist daher unerlässlich. Wie die meisten Nutzer verwende ich hier uBlock origin. Die voreingestellten Listen sind hier meiner Meinung nach schon nicht schlecht und können bei Bedarf um Cookie-Blocklisten und Social-Media-Blocker ergänzt werden.

CDN-Blocker: LocalCDN

Viele Website-Betreiber laden JavaScript-Bibliotheken über Content Delivery Networks (CDN), um Bandbreite zu sparen. Dies kann aber auch zum User-Tracking genutzt werden, da beim Verbindungsaufbau viele Metadaten anfallen. Abhilfe schaffen Addons, die diese Bibliotheken lokal zur Verfügung stellen und die Verbindung zu CDNs blockieren. Vor einigen Jahren kam das Addon Decentraleyes als Gegenmittel in Mode. Das gibt es zwar immer noch, aber die Entwicklung verläuft eher schleppend. Das Addon LocalCDN entwickelt sich schneller.

Container: Firefox Multi-Account Containers & Temporary Containers

Firefox bietet eine integrierte Containerverwaltung, die die anfallenden Daten von Webseiten trennt. Dies funktioniert bereits in der Standardeinstellung sehr gut. Es entspricht aber nicht ganz meinen persönlichen Nutzungsgewohnheiten. Eigentlich möchte ich beim Schließen eines Tabs alle Webseitendaten löschen. Allerdings nicht bei allen Webseiten, denn es ist extrem nervig, sich bei häufig besuchten Seiten immer wieder neu anzumelden. Deshalb habe ich mir eine Kombination aus dem Addon Temporary Containers und Multi Account Containers eingerichtet.

Standardmäßig werden neue Tabs in temporären Containern geöffnet. Folgende Einstellungen erlauben dies:

Für regelmäßig besuchte Seiten habe ich verschiedene Container in Multi Account Contains eingerichtet. Über die Option „Diese Webseite immer öffnen in…“ werden die Seiten automatisch im zugehörigen Container geöffnet.

Einstellungen

Dazu kommen noch ein paar Einstellungen wie die Wahl einer datenschutzorientierten Suche (ich verwende hier immer noch DuckDuckGo) oder das Deaktivieren der Mozilla-Telemetriefunktionen sowie des A/B-Tests. Ansonsten habe ich keine Einstellungen verändert. Auf umfangreiche Änderungen in about:config habe ich verzichtet, da mir das Nachziehen bei größeren Updates zu aufwendig und der vermeintliche Gewinn für den Fingerprinting-Schutz zu ungewiss ist.

2. Mai 2024

Formulaic ist ein neues Projekt vom Mozilla Innovation Studio. Dabei handelt es sich um eine Community-Plattform, auf der man sogenannte KI-Prompts zu bestimmten Themen finden und mit anderen Nutzern teilen kann. Nun hat Mozilla die Anmeldung für alle Nutzer geöffnet.

Ob der KI-basierte Website-Builder Solo, innovative KI-Technologien wie llamafile oder MemoryCache, das Tagebuch-Projekt Didthis oder der Mozilla AI Guide – das Mozilla Innovation Studio hat in den letzten Monaten einige interessante Projekte gestartet. Das neueste Projekt ist Formulaic.

Jetzt Formulaic von Mozilla besuchen

Formulaic ist eine Plattform, auf der Nutzer wiederverwendbare Skripte für die gängigsten generativen KI-Sprachmodelle erstellen und mit anderen Nutzern teilen können. Mozilla spricht hierbei von Formeln. Diese können auch direkt auf der Plattform ausgeführt werden. Die Verwendung von Eingabefeldern und Variablen macht die Verwendung für den Benutzer sehr einfach. Ich berichtete bereits im April.

Damals war die Registrierung noch nicht für alle geöffnet und man musste sich auf eine Warteliste setzen lassen. Ab sofort gibt es keine Warteliste mehr und die Anmeldung steht jedem offen.

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1. Mai 2024

Die MZLA Technologies Corporation hat mit Thunderbird 115.10.2 ein Update für seinen Open Source E-Mail-Client veröffentlicht.

Neuerungen von Thunderbird 115.10.2

Mit Thunderbird 115.10.2 hat die MZLA Technologies Corporation ein Update für seinen Open Source E-Mail-Client veröffentlicht. Dieses bringt genau eine Änderung gegenüber der vorherigen Version. So wird damit der Update-Kanal auf den von „Thunderbird ESR“ gestellt. Für den Nutzer ergeben sich dadurch keine direkt sichtbaren Änderungen. Die Änderung steht in Zusammenhang mit der Einführung monatlicher Feature-Releases in der Zukunft, welche dann Updates über den bisherigen Update-Kanal erhalten werden.

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30. April 2024

Firefox 127 bekommt eine kleine, aber praktische Funktion, von der vor allem Nutzer mit vielen offenen Tabs profitieren. Damit lassen sich mehrfach geöffnete Tabs schließen.

Manchmal kommt es vor, dass man bestimmte Websites mehrfach geöffnet hat. Gerade mit einer größeren Anzahl offener Tabs kann dies sehr leicht passieren. Ab Firefox 127 gibt es im Kontextmenü der Tabs einen neuen Eintrag, um sämtliche Duplikate des ausgewählten Tabs zu schließen. So muss man nicht länger nach anderen Tabs mit gleicher URL suchen, um diese zu schließen.

Doppelte Tabs schließen in Firefox 127

Firefox 127 wird nach aktueller Planung am 11. Juni 2024 erscheinen.

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29. April 2024

Mozilla hat Firefox 125.0.3 veröffentlicht und behebt damit mehrere Probleme der Vorgängerversion.

Download Mozilla Firefox 125.0.3

Seit Veröffentlichung von Firefox 125 beklagten einige Nutzer, dass Firefox vermeintlich selbständig Tabs mit der URL https://0.0.0.1 öffnete. Grund hierfür war ein Fehler in Firefox, der unter normalen Umständen nur sehr unwahrscheinlich ausgelöst worden ist, aber durch Malware auf dem System des Anwenders sichtbar wurde. Den in Firefox vorhandenen Fehler hat Mozilla mit Firefox 125.0.3 behoben.

Ein Fehler beim Drag and Drop von Text mit Unicode-Zeichen auf Linux-Systemen wurde korrigiert.

Auf Webkompatibilitäts-Seite wurde ein Problem mit dem Fokus-Handling von <select>-Elementen, ein Fehler bei der Überprüfung von arguments.length bei Generator- und asynchronen Funktionen ohne Argumente sowie ein Performance-Problem bei Animationen behoben.

Für Nutzer von Firefox in japanischer Sprache konnte es auf manchen Seiten dazu kommen, dass chinesische anstelle japanischer Kanji-Zeichen angezeigt worden sind.

Bei einer Umfrage, welche auf der Standard-Startseite von Firefox erscheinen kann, war die Schrift bei Verwendung mancher Themes nicht lesbar.

Für Nutzer in den USA zeigt Firefox in der Adressleiste unter anderem auch Vorschläge für die MDN Web Docs und Yelp. Für diese Vorschläge hatte der Link auf support.mozilla.org im entsprechenden Menü nicht funktioniert.

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Die traditionelle openSUSE-Variante Leap ist in der Version 15.6 als Release Candidate verfügbar. Am 12. Juni soll die finale Version für die Öffentlichkeit verfügbar sein. Wenn alles nach Plan läuft, wird diese Version die letzte klassische openSUSE-Ausgabe sein, wie wir sie seit vielen Jahrzehnten kennen. Zeit für einen Blick.

Einordnung

Leap 15.6 ist ein Minor-Release für den Entwicklungszyklus von SUSE Linux Enterprise bzw. openSUSE Leap 15. Die erste Ausgabe des Zyklus wurde 2018 veröffentlicht. Die entsprechenden Ausgaben von SUSE Linux Enterprise werden als Service Packs bezeichnet. Dies verdeutlicht den Kern der Sache: Ähnlich wie bei Red Hat dienen Minor Releases nur der Produktpflege. Einschneidende Änderungen sind den Hauptversionen vorbehalten. Zwischen den einzelnen Minor-Versionen sind Upgrades in der Regel problemlos möglich und auch notwendig, da die einzelnen Minor-Versionen nur einen begrenzten Supportzeitraum haben. Insgesamt kommt eine Hauptversion so auf eine Lebensdauer von bis zu 10 Jahren. Anders als bei Debian oder Ubuntu werden bei solchen Minor-Versionen jedoch die Versionsstände einzelner Komponenten angefasst und behutsam aktualisiert. Die Anwender profitieren so von neuerer (wenn auch nicht neuester) Software.

OpenSUSE Leap besteht aus einem Kern von SUSE Linux Enterprise und Paketen aus der Community. Letztere vor allem im Desktop-Segment. Damit wird die schmale Enterprise-Basis zu einer vollwertigen Linux-Distribution aufgewertet, wie sie Privatanwender schätzen. Diese etwas eigenwillige Kombination führt allerdings auch zu teilweise kuriosen Versionskombinationen, die Anwender anderer Distributionen befremdlich finden dürften.

Versionen

Ein Blick auf den Distributionskern zeigt folgende Verstionsstände und die Abweichung zu 15.5.

NameVersion (Stand 15.5.)
Kernel6.4 (5.14)
glibc2.38 (2.31)
systemd254 (249)
Mesa23.3 (20.2)
Grub2.12 (2.06)
NetworkManager1.44 (1.38)

Auf dem Desktop liefert openSUSE Plasma in der Version 5.27.11 und die dazugehörigen KDE-Anwendungen in der Version 23.08 aus. Ähnlich wie bei Kubuntu 24.04 hat man verständlicherweise den Umstieg auf Version 6 gescheut, so dass derzeit alle stabilen LTS-Distributionen Plasma in der letzten Version 5 ausliefern. Die GNOME-Shell wird allerdings von openSUSE in der Version 45.3 ausgeliefert, was einigermaßen aktuell ist. Andere zentrale Desktop-Komponenten wie LibreOffice wurden auf aktuelle Versionen (24.2) aktualisiert. Firefox und Thunderbird werden laufend aktualisiert und stammen aus dem ESR-Zweig von Mozilla.

Einige Neuerungen sind zumindest für mich sehr interessant. So ist nun auch systemd-homed enthalten und kann genutzt werden. In Kombination mit einer Bindung des LUKS-Volumes an TPM2 ist dies momentan meine bevorzugte Variante, um meine Geräte abzusichern.

Bewertung

Die Version 15.6 von openSUSE Leap ist eine absolut runde Sache. In meinen Tests konnte ich keine besonderen Fehler feststellen. Die Versionen wurden – wo dies sinnvoll und praktikabel war – angehoben. Gleichzeitig bleiben Anwender vor großen Brüchen bewahrt.

Distributionen wie SLE/openSUSE Leap spielen für mich immer noch eine wichtige Rolle. Hier wird die Software noch gut getestet, bevor sie an die Anwender ausgeliefert wird. Im Gegensatz zu anderen Distributionen leistet sich SUSE auch noch ein Entwicklerteam, das diesen Namen verdient. Ich erinnere da gerne an einen Bugreport/Audit für das zentrale Partitionierungswerkzeug von KDE, den Partition Manager, bei dem man bei SUSE genauer hingeschaut hat und deutliche Verbesserungen angemahnt hat, bevor es in die Distribution durfte. Viele andere Distributionen haben das einfach durchgewunken. Andere Probleme wurden durch lange Entwicklungszeiten aufgefangen. Die XZ-Misere ist eben zuerst bei den RR-Distributionen aufgetaucht, die wegen des hohen Arbeitsdrucks weitgehend ungeprüft Tarballs übernehmen.

Dennoch dürfte die kommende Version 15.6 vor allem die Stammnutzer ansprechen. Wer bereits mit 15.5 arbeitet, für den ist das Update ein “No-Brainer”. Wer mit Debian Stable, Ubuntu LTS oder Red Hat zufrieden ist, wird nicht kurz vor Ende eines Entwicklungszyklus zu openSUSE wechseln.

Ausblick

Die Entwicklung läuft auf openSUSE Leap 16 zu, was eine einschneidende Veränderung werden wird. Leap 16 soll auf SUSE ALP basieren und verabschiedet sich damit vom Linux-Distributionsmodell, wie wir es seit Jahrzehnten kennen. Sollte es zu weiteren Verzögerungen kommen, haben die openSUSE-Entwickler aber bereits eine Version Leap 15.7 in Aussicht gestellt. Die Anwender werden also keinesfalls im Regen stehen gelassen.