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2024 Woche 05

3. Februar 2024

Wenn man im Internet nach Lösungen für Probleme mit LibreOffice & Co. bei wissenschaftlichen Arbeiten sucht, kommt meist sehr schnell der Hinweis, dass man gar nicht mit dem richtigen Werkzeug unterwegs ist, sondern eigentlich LaTeX viel besser wäre. Frei nach dem Motto: Alles andere sind Amateure. Aber ist das immer so? Oder war es jemals so? Nein. LaTeX ist eine gute Option, aber es legt einem auch Steine in den Weg. Jedes mögliche Werkzeug hat seine Stärken und Schwächen.

Ich beschäftige mich viel mit LibreOffice & Co. und werde oft gefragt, warum mich die Entwicklungen bzw. Nicht-Entwicklungen in diesem Bereich so interessieren. Das liegt daran, dass Office für mich immer noch ein zentrales Werkzeug ist. Das ist wohl eine Generationenfrage. Textverarbeitung, Präsentation, Tabellenkalkulation. Das sind Programme, die ich täglich brauche, und vor allem die Textverarbeitung ist das, was ich wirklich ausreize. Umfangreiche Formatvorlagen, Verzeichnisse, Fuß- und Endnoten, Register usw.. Meine Doktorarbeit zum Beispiel habe ich in einem einzigen Dokument geschrieben. Hunderte von Seiten, Tausende von Fußnoten, viel zu viele Jahre. Immer mit dem leisen Zweifel im Hinterkopf, ob LaTeX nicht doch die bessere Lösung gewesen wäre.

Und diese Zweifel sind keineswegs ein Produkt der Vergangenheit, sondern ich habe immer wieder mit Studierenden zu tun, die fragen, ob sie nicht LaTeX lernen sollten. Irgendjemand kennt immer jemanden, der gelesen oder gehört hat, dass LaTeX die einzige adäquate Methode für längere Texte sei. Das Gerücht ist irgendwie nicht tot zu kriegen. Daher hier noch mal deutlich: Dem ist nicht so!

Richtig ist, dass LaTeX-Dokumente in der Regel ein besseres Schriftbild und einen besseren Satz haben. Eine Textverarbeitung ist eben kein Satzprogramm. Wer also nur am Ende auf Drucken klicken will, bekommt mit LaTeX das schönere Ergebnis. Die steile Lernkurve verhindert daneben auch schlechte Ergebnisse, weil es dann meist gar keine gibt. Auch bei den Formeln hatte LaTeX lange Zeit die Nase vorn, aber viele Textverarbeitungen haben hier nachgebessert, um den Autoren das Leben leichter zu machen. Ein entscheidender Vorteil ist die Formatstabilität über sehr lange Zeiträume. Aber auch Textverarbeitung ist nicht so schlecht wie ihr Ruf und ich kann problemlos 15 Jahre alte Dokumente ohne sichtbare Abweichungen öffnen. Eine Garantie habe ich bei proprietären Formaten hier natürlich nicht. Mal ganz unabhängig von der Frage, ob dieses Anwendungsszenario überhaupt notwendig ist.

Unbestritten ist auch, dass man mit LaTeX sehr gut längere Arbeiten schreiben kann. Das kann man auch mit Markdown und im Prinzip sogar mit einem normalen Editor. Wobei es da mit den Fußnoten und Endnoten schwierig wird. Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben bahnbrechende Arbeiten mit Papier und Stift oder später mit der Schreibmaschine verfasst. Jeder kann und soll mit dem Werkzeug seiner Wahl arbeiten. Nur sind es irgendwie immer die LaTeX-Anwender, die ihr Werkzeug zum Maßstab erklären. Muss die steile Lernkurve mit Sendungsbewusstsein kompensiert werden? Ich weiß es nicht. Es ist aber auf jeden Fall falsch, denn bei einem der letzten Schritte im Wissenschaftskreislauf steht LaTeX seinen Anwendern massiv im Weg: Publizieren. Ausgerechnet LaTeX, das großartige Satzprogramm.

Jede wissenschaftliche Zeitschrift, die ich bisher gesehen habe und jeder Verlag für eine Buchpublikation nimmt oder verlangt gar eine Word-Datei. Auch moderne Open-Access-Zeitschriften mit OJS-Systemen wollen in der Regel Word-Dateien zur Weiterverarbeitung. Niemand besteht auf ein LaTeX-Dokument, manche nehmen solchen nicht mal an. Manchmal gibt es Vorlagen für Word, manchmal nur Satzhinweise und manchmal geht es wirklich nur um eine Rohtextdatei. Danach beginnt gegebenenfalls die Korrektur und das Lektorat, auf jeden Fall aber der Satz. Die Korrekturschleifen bis zur Fahnenkorrektur laufen in der Regel über Worddateien mit Änderungshistorie und Kommentaren in PDF-Dateien. Für die Worddateien kann in der Regel jedes Textverarbeitungsprogramm verwendet werden, da die Dateien ohnehin weiterverarbeitet werden. Open-Source-Nutzer sind hier jedenfalls nicht im Nachteil. Auch das muss mal geschrieben werden.

Denn kein Verlag druckt ein Manuskript so, wie es die Autoren abliefern. Jeder Verlag und manchmal sogar jede Zeitschrift hat ihr eigenes Design. Der Textsatz schafft Wiedererkennung. Kein Verlag, den ich kenne, macht den Textsatz mit LaTeX. Manchmal kann man es aus den Metadaten herauslesen, manchmal nicht. Oft wird Adobe InDesign verwendet, manchmal wird das Produkt in ein XML-Dokument umgesetzt oder in ein proprietäres Verlagsprodukt. Das Endprodukt ist längst nicht mehr nur das gedruckte Buch oder das E-Book als dessen digitaler Klon, sondern formatunabhängige Publikationen.

Wenn man also mit LaTeX schreiben möchte, weil es dem eigenen Arbeitsablauf besser entspricht, dann kann man das natürlich tun. Man sollte aber nicht dem Irrglauben verfallen, dass man sich das Leben im letzten Schritt des wissenschaftlichen Zyklus irgendwie leichter macht. Im Gegenteil: Wer mit LaTeX schreibt, hat am Ende mehr Konvertierungsschleifen als ein Autor, der ein normales Textverarbeitungsprogramm benutzt. Auf keinen Fall sollte man sich aber von irgendwelchen LaTeX-Nutzern einreden lassen, dass man LaTeX für eine wissenschaftliche oder auch nur längere Arbeit zwingend braucht. Das ist schlichtweg falsch.

Der Artikel Kein Verlag will ein LaTeX-Dokument erschien zuerst auf Curius

2. Februar 2024

Im vergangenen Sommer interpretierte ich die Ankündigung von LibreOffice als “wir haben fertig” und prognostizierte, dass das neue Versionierungsschema dies vor allem kaschieren soll. Dagegen gab es viel Protest über meine vermeintliche LibreOffice-feindliche Haltung. Den Zwischenstand konnte man am 31.1.24 bewundern.

Vorgestern wurde die Version 24.2 durch die Document Foundation freigegeben. Zur Erinnerung: Im neuen Schema handelt es sich um ein größeres halbjährliches Update, da kleinere Updates in dritter Stelle folgen. Die nächste Version wird voraussichtlich 24.8 sein und im August veröffentlicht werden.

Neuerungen darf man mit der Lupe suchen. Eine deutschsprachige Zusammenfassung gibt es bei Heise. Es gibt ein paar Detailverbesserungen an der Oberfläche und Fehler wurden behoben. Das Highlight der Hauptversion ist die automatische Aktivierung der Wiederherstellungsfunktion, wodurch jetzt im Hintergrund permanent Sicherungen angelegt werden. Die LibreOffice-Entwickler haben das Programm also tatsächlich offenkundig in den Wartungsmodus versetzt. Wichtige Themen wie generative KI sehe man sich laut Heise in Ruhe an. Vermutlich genau so in Ruhe wie mobile Apps für iOS und Android. Smartphones und Tablets sind ja nun wirklich Neuland, da muss man erstmal abwarten, ob sich das etabliert und Marktanteile vom technisch überlegenen Personal Computer abzieht.

Die Entwickler haben also offensichtlich entweder keine Kapazitäten für neue Funktionen oder keine gemeinsame Idee, wohin sie die einzige freie Office-Suite entwickeln möchten. Bestandsnutzer werden das wohl noch akzeptieren, aber beim Megathema “souveräner Arbeitsplatz” wird der Graben zu proprietären Produkten täglich größer. Ich prognostiziere, dass LibreOffice in Zukunft nur noch eine untergeordnete Rolle bei etwaigen Migrationen spielen wird und stattdessen andere Produkte zum Einsatz kommen.

Der Artikel Kommentar: LibreOffice mit neuer Version ohne Neuerung erschien zuerst auf Curius

31. Januar 2024

Es gibt wieder neue Sicherheitslücken in glibc. Dabei betrifft eine die syslog()-Funktion, die andere qsort(). Letztere Lücke existiert dabei seit glibc 1.04 und somit seit 1992. Entdeckt und beschrieben wurden die Lücken von der Threat Research Unit bei Qualys.

Die syslog-Lücke ist ab Version 2.37 seit 2022 enthalten und betrifft somit die eher die neuen Versionen von Linux-Distributionen wie Debian ab Version 12 oder Fedora ab Version 37. Hierbei handelt es sich um einen "heap-based buffer overflow" in Verbindung mit argv[0]. Somit ist zwar der Anwendungsvektor schwieriger auszunutzen, weil in wenigen Szenarien dieses Argument (der Programmname) dem Nutzer direkt überlassen wird, die Auswirkungen sind jedoch umso schwerwiegender. Mit der Lücke wird eine lokale Privilegienausweitung möglich. Die Lücke wird unter den CVE-Nummern 2023-6246, 2023-6779 und 2023-6780 geführt.

Bei der qsort-Lücke ist eine Memory Corruption möglich, da Speichergrenzen an einer Stelle nicht überprüft werden. Hierfür sind allerdings bestimmte Voraussetzungen nötig: die Anwendung muss qsort() mit einer nicht-transitiven Vergleichsfunktion nutzen (die allerdings auch nicht POSIX- und ISO-C-konform wären) und über eine große Menge an zu sortierenden Elementen verfügen, die vom Angreifer bestimmt werden. Dabei kann ein malloc-Aufruf gestört werden, der dann zu weiteren Angriffen führen kann. Das Besondere an dieser Lücke ist ihr Alter, da sie bereits im September 1992 ihren Weg in eine der ersten glibc-Versionen fand.

Bei der GNU C-Bibliothek (glibc) handelt es sich um eine freie Implementierung der C-Standard-Bibliothek. Sie wird seit 1987 entwickelt und ist aktuell in Version 2.38 verfügbar. Morgen, am 1. Februar, erscheint Version 2.39.

29. Januar 2024

Was ist die Geschichte von BunsenLabs und wie komfortabel ist die Distribution bei der Bedienung? Ich probiere es für euch aus.



Damals

Im ersten Teil dieses Kurztests habe ich die Installation und den ersten Eindruck von BunsenLabs Boron geschildert. In diesem zweiten Teil geht es um die Herkunft und die Tauglichkeit im täglichen Betrieb.

BunsenLabs stellt einen geistigen Nachfolger zum eingestellten CrunchBang Linux dar. Von diesem übernimmt es Openbox als Fenstermanager. Das Design ist schlicht gehalten. Bei den Paketquellen setzt BunsenLabs auf Debian in der stabilen Fassung. Bei der Auswahl an Software wird grösstenteils auf GTK basierte Programme gesetzt. Ein schlankes Grundsystem wird mit einem minimalistischen Erscheinungsbild kombiniert. Der Fenstermanager ist dabei stark anpassbar und unterstützt auch moderne Widescreen-Monitore.

CrunchBang war eine auf Debian GNU/Linux basierende Distribution, die eine Mischung aus Geschwindigkeit, Stil und Substanz bot. Durch die Verwendung des flinken Openbox-Fenstermanagers war es in hohem Masse anpassbar und bot ein modernes, voll ausgestattetes GNU/Linux-System ohne Leistungseinbussen. Die Entwicklung von CrunchBang wurde eingestellt, aber es inspirierte die Mitglieder der Community zur Entwicklung einiger hervorragender Spin-off-Projekte, wie z. B. BunsenLabs.

Weitere Informationen über die Geschichte von BunsenLabs findet ihr im Artikel von caos bei uns.

Heute

Wie im ersten Teil beschrieben, ist die Installation kinderleicht und führt zu einem grafisch ansprechenden OpenBox-Desktop. Ich habe BunsenLabs in der virtuellen Maschine GNOME-Boxes getestet. Die aktuelle Version Boron basiert auf Debian 12 mit dem Kernel 6.1.0-17. Die Distro belegt ca. 500 MB RAM, was am schlanken Fenstermanager liegt. Um die Alltagstauglichkeit zu prüfen, schaue ich mir folgenden Bereiche an:

  • Bildschirmauflösung
  • Spracheinstellung
  • Mitgelieferte Software
  • Paketverwaltung

Bildschirmauflösung

Die Änderung der Bildschirmauflösung auf die Fähigkeiten meines Monitors hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Alle üblichen/einfachen Verfahren funktionieren nicht. Ich musste das Internet bemühen, um eine Lösung zu finden. Hallo 90'er-Jahre.

Wer bei BunsenLabs die Bildschirmauflösung verändern möchte, muss ArandR verwenden, oder xrandr im Terminal bemühen. Und dann muss man die Screen-Konfiguration im Autostart unterbringen. Mit ArandR habe ich es nicht geschafft, die Auflösung zu persistieren. Null Punkte.

Spracheinstellung

Während der Installation von BunsenLabs Boron werden alle nötigen Informationen für die Sprach- und Gebietseinstellungen abgefragt. Die Distribution ignoriert diese Angaben und stellt nur englische Labels bereit. Nach langem Suchen habe ich keine Möglichkeit gefunden, die Spracheinstellungen zu ändern. Und nein, ich habe nicht drei Stunden im Internet danach gesucht. Null Punkte.

Mitgelieferte Software

Die Auswahl der vorinstallierten Pakete ist reichhaltig. Da findet sich für jeden Anwendungsfall eine Lösung. Man erreicht diese über das Rechts-Klick-Menü oder über die Suche mit SUPER+Suchbegriff. Hier ist eine kleine Auswahl:

  • Internet: Firefox ESR, HexChat, Filezilla, Transmission
  • Dateiemanager: Thunar
  • Suche: Catfish
  • Editor und IDE: Geany
  • Bilder: Ristretto, ImageMagick
  • Multimedia: Xfburn, VLC, PulseAudio
  • Office: LibreOffice, Evince
  • und viele andere

Bei der Paketverwaltung setzt BunsenLabs auf:

  • apt im Terminal
  • Synaptic (für alle, die es grafisch mögen)
  • und eine Favoriten-Anwendung:

Die vorinstallierten Pakete sind gut ausgewählt und reichhaltig. Vielen mag der Zugriff auf die Apps über das Rechts-Klick-Menü gefallen, andere mögen des als zu Klick-intensiv empfinden. Ebendarum hat BunsenLabs das Tilt2-Panel standardmässig integriert. Doch wie funktioniert es?

Über den Tint2-Manager (findet man im Menü unter "User Settings, Tint2" auswählen) können verschiedene Designs und Anordnungen für das Panel gewählt werden. Im Screenshot seht ihr eine Variante, die das Panel am unteren Bildschirmrand anordnet.

Doch wie bringt man App-Starter in das Tint2-Panel? Dafür gibt es im oben erwähnten Menü den Tint2-Editor. Dieser öffnet eine Konfigurationsdatei, in der man das Tint2-Panel einrichten kann, einschliesslich der App-Starter. An dieser Stelle bin ich ausgestiegen. Null Punkte.

Paketverwaltung

Das Wesentliche habe ich bereits im vorherigen Kapitel erwähnt. Als Debian-basierte Distribution kommt apt als Paketverwaltung zum Zuge. Andere Paketformate werden nicht unterstützt. Mit dem Menüeintrag "Install Favourite Packages" gibt es ein gutes Angebot, um zusätzliche Software mit wenigen Klicks zu installieren.

Wie man sieht, verbergen sich dahinter Shell-Skripte, was keinesfalls als Kritik gemeint ist, aber Einsteiger:innen irritieren könnte. Einer der Neuerungen in der Boron-Version ist das automatische Update von Debian-Paketen. Diese Option kann im Terminal durch den Aufruf des Shell-Skripts bl-welcome eingerichtet werden. Ob das funktioniert, konnte ich aus Zeitgründen nicht überprüfen. Im Zweifel verwendet man sudo apt update && sudo apt upgrade.

Fazit

Wenn ich einen kurzen Testbericht über eine GNU/Linux-Distribution schreibe, wird dieser der Distro oft nicht gerecht. Das zeigt sich gerade bei BunsenLabs Boron. Im ersten Teil war ich begeistert, ob der einfachen Installation und dem tollen Erscheinungsbild. Der zweite Teil ist ziemlich negativ ausgefallen. Das möchte ich nicht der Distro anlasten, sondern der wenigen Zeit, die ich damit verbracht habe. Wer viele Distributionen getestet hat, entwickelt über die Jahre ein Gefühl, das sich kaum beschreiben lässt. Man fühlt das Potenzial einer Distribution; und dieses Gefühl ist bei BunsenLabs Boron gut. Die Entwickler haben viel Liebe in ihre Distribution gegossen. Deshalb ist es wert, mehr Zeit mit Boron zu verbringen, um die Details zu erforschen.


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