Nachdem ich über meine Erfahrungen mit dem Google Pixel-Tablet berichtete und dort über die Nutzung von Vanadium (Chromium-Fork) schrieb, kam die Frage auf, was ich eigentlich auf dem Desktop nutze. Natürlich Firefox! Aber ein bisschen angepasst. Allerdings gar nicht so sehr.
Es gibt keine freien Alternativen zu Firefox
Linux-Anwender haben eigentlich kaum Alternativen zu Firefox. Kleinere Browser wie GNOME Web (früher Epiphany) oder Falkon basieren auf Rendering-Engines in Qt oder GTK. Bei Qt kommt die auf Chromium basierende qt-webengine zum Einsatz. Selbst die neueste Qt-Version hinkt hier viele Versionen hinterher und der Sicherheitsstatus ist mehr als fraglich. Für die Darstellung im RSS-Reader oder Mailclient mag das reichen, den Browser sollte man damit nicht betreiben. Bei GTK sieht es mit libwebkitgtk nach einer Sicherheitsoffensive etwas besser aus, auch weil man auf WebKit und nicht auf Chromium als Basis setzt, aber auch hier würde ich mein Tor zum Internet nicht von den Sicherheitsfunktionen dieses Projektes abhängig machen wollen.
Gleiches gilt für die zahlreichen Firefox-Forks, die in der letzten Zeit entstanden sind. Die Entwickler von LibreWolf, Waterfox, Pale Moon und Konsorten haben immer wieder extreme Schwierigkeiten mit der Entwicklung bei Firefox Schritt zu halten. Sicherheitsupdates kommen oft stark verzögert an. Das ist inakzeptabel für einen Browser.
Viele haben massive Vorbehalte gegen Chromium, weil wir durch die ausschließlich Verwendung von Chromium und dessen Forks eine durch Google kontrollierte Monokultur für den Webzugang entstehen lassen. Je geringer der Marktanteil bei Chromium-Alternativen wie Firefox ist, desto höher dürfte prozentual derjenigen ausfallen, die sich genau deshalb für Firefox & Co entscheiden. Aber selbst wenn man diesen Aspekt außer Acht lässt, ist Chromium unter Linux kein sicheres Produkt. Chromium selbst ist sehr schwer zu paketieren und die Updateschlagzahl sehr hoch. Google verfolgt hier seinen üblichen Open-Core-Ansatz, der aber auf die Nutzung des proprietären Produkts abzielt und gerade nicht die Nutzung des freien Kerns durch den Nutzer erleichtern soll. Das kennt man auch von Android. Distributionen wie RHEL oder SLED haben Chromium daher gar nicht offiziell im Programm und verweisen direkt auf Firefox. Von den größeren Distributionen schaffen es bislang nur Debian und Arch einigermaßen zeitnah aktuelle Versionen bereitzustellen. Alle anderen Distributionen hinken mehr oder weniger stark hinterher, was durchaus kritisch zu sehen ist.
Unfreie Chromium-Varianten wie Chrome (Google) oder Edge (Microsoft) haben dieses Problem nicht. Das gilt ebenso für die nicht transparent entwickelte Chromium-Varianten Brave (Brave Software) und Vivaldi (Vivaldi Technologie) aber ich persönlich habe ein ziemliches Problem damit ein freies Desktop-Betriebssystem zu nutzen, um dann einen unfreien Zugang ins Web zu wählen.
Welche Addons?
Ich persönlich glaube, dass bei Addons weniger mehr ist. Grundsätzlich und immer. Denn Addons sind immer potenzielle Verursacher von Fehlern und Sicherheitslücken. Das gilt für Firefox und jede andere Software mit Extension-Schnittstelle. Dementsprechend haben mich die Änderungen der letzten Jahre auch nicht so sehr abgeschreckt, wie die Nutzer, die ihren Zoo an Addons portieren mussten. Ganz ohne Addons geht es aber nicht.
Tracking-Blocker: uBlock
Firefox hat einen eingebauten Tracking-Blocker. Dieser ist nicht schlecht, lässt aber einige Werbe- und Trackingfunktionen durch. Ein zusätzlicher listenbasierter Blocker ist daher unerlässlich. Wie die meisten Nutzer verwende ich hier uBlock origin. Die voreingestellten Listen sind hier meiner Meinung nach schon nicht schlecht und können bei Bedarf um Cookie-Blocklisten und Social-Media-Blocker ergänzt werden.
CDN-Blocker: LocalCDN
Viele Website-Betreiber laden JavaScript-Bibliotheken über Content Delivery Networks (CDN), um Bandbreite zu sparen. Dies kann aber auch zum User-Tracking genutzt werden, da beim Verbindungsaufbau viele Metadaten anfallen. Abhilfe schaffen Addons, die diese Bibliotheken lokal zur Verfügung stellen und die Verbindung zu CDNs blockieren. Vor einigen Jahren kam das Addon Decentraleyes als Gegenmittel in Mode. Das gibt es zwar immer noch, aber die Entwicklung verläuft eher schleppend. Das Addon LocalCDN entwickelt sich schneller.
Container: Firefox Multi-Account Containers & Temporary Containers
Firefox bietet eine integrierte Containerverwaltung, die die anfallenden Daten von Webseiten trennt. Dies funktioniert bereits in der Standardeinstellung sehr gut. Es entspricht aber nicht ganz meinen persönlichen Nutzungsgewohnheiten. Eigentlich möchte ich beim Schließen eines Tabs alle Webseitendaten löschen. Allerdings nicht bei allen Webseiten, denn es ist extrem nervig, sich bei häufig besuchten Seiten immer wieder neu anzumelden. Deshalb habe ich mir eine Kombination aus dem Addon Temporary Containers und Multi Account Containers eingerichtet.
Standardmäßig werden neue Tabs in temporären Containern geöffnet. Folgende Einstellungen erlauben dies:

Für regelmäßig besuchte Seiten habe ich verschiedene Container in Multi Account Contains eingerichtet. Über die Option „Diese Webseite immer öffnen in…“ werden die Seiten automatisch im zugehörigen Container geöffnet.

Einstellungen
Dazu kommen noch ein paar Einstellungen wie die Wahl einer datenschutzorientierten Suche (ich verwende hier immer noch DuckDuckGo) oder das Deaktivieren der Mozilla-Telemetriefunktionen sowie des A/B-Tests. Ansonsten habe ich keine Einstellungen verändert. Auf umfangreiche Änderungen in about:config habe ich verzichtet, da mir das Nachziehen bei größeren Updates zu aufwendig und der vermeintliche Gewinn für den Fingerprinting-Schutz zu ungewiss ist.


















