staging.inyokaproject.org

2022 Woche 50

17. Dezember 2022

Gegen Ende des Jahres gebe ich traditionell einen kleinen Einblick in das, was ich so an Hardware und Software nutze und das, was sich im vergangenen Jahr geändert hat. Viele prominente Vertreter von Datenschutz und Privatsphäre schreiben gerne über das richtige Nutzungsverhalten, aber jeder muss Kompromisse machen. Diese mache ich hier transparent.

Der Blog auf [Mer]Curius spiegelt meine gegenwärtigen Interessen im Bereich Privacy meist ziemlich gut wider. Dieses Jahr hat sich einiges verschoben. Beruflich bin ich stärker zu meinen beruflichen Wurzeln zurückgekehrt und habe nur noch am Rande mit Themen der Datenverarbeitung zu tun. Nach zwei Jahren vorwiegend im Homeoffice bin ich zudem wieder in den hundertprozentigen Präsenzmodus gewechselt, weshalb die Tätigkeit am heimischen Schreibtisch wirklich nur noch Privatkram umfasst.

Gleichzeitig habe ich mich weitestgehend aus dem Linux-Diskurs ausgeklinkt. Die Linux-Gemeinschaft hat in ihrer Kultur viel von Twitter. Sie wird dominiert von alten, frustrierten Männern, die nicht wollen, dass sich die Welt weiterentwickelt sowie jahrzehntelange Enttäuschungen und Überlegenheitsgefühl kultivieren. Je mehr sich in den letzten Jahren abgewandt haben, desto mehr prägen diese Typen den Diskurs. Anstelle Aufbruch und Enthusiasmus geht es inhaltlich bei vielen Diskussionen um verpasste Chancen und Dinge, die vor 15 Jahren waren. Mehr soll zu Linux nicht gesagt werden und zu Twitter später mehr.

Hardware & Betriebssysteme

In dem Bereich gibt es nicht viel zu berichten. Im vergangenen Jahr hatte ich noch viele Hoffnungen mit elementary OS bzw. Pantheon verbunden, aber das Projekt ist gleich Anfang des Jahres implodiert. Eine Version auf Basis von Ubuntu 22.04 gibt es immer noch nicht und die Entwicklung verläuft nur noch schleppend. Ich arbeite daher wieder mit meinem Plasma-Setup auf Basis von Kubuntu 22.04, weil ich im Frühjahr/Sommer Schwierigkeiten mit openSUSE hatte und ich mich mein System vor allem in Ruhe lassen soll.

Ich nutze dabei viel Open Souce Software, aber auch einige proprietäre Programme wie beispielsweise SoftMaker Office, moneyplex, den Master PDF Editor und so manche Synology App. Ohne diese proprietären Programme wäre Linux für mich eigentlich nicht benutzbar. Dafür habe ich aber im beruflich-privaten Mischbereich dieses Jahr Citavi gegen Zotero getauscht. Zotero hat sich in den vergangenen Jahren wirklich gut entwickelt und Citavi leider gar nicht gut. Es gibt also immer auch positive Entwicklungen.

Mein mobiler Begleiter ist ein Pixel 6 mit GrapheneOS. Ich bin damit sehr glücklich, weil GrapheneOS sehr viele Schwächen behebt, die ich mit Aftermarket-Betriebssystemen wie LineageOS verbinde. Ganz ohne proprietäre Apps komme ich leider nicht aus. Der DB Navigator ist eine einzige Trackingmaschine, aber leider unverzichtbar für routinierte Bahnfahrer. Dann noch die App meiner Bank für die Zweifaktor-Authentifizierung und noch WhatsApp. Insgesamt hält es sich aber wirklich in Grenzen und ich kann 90 % meiner Anwendungen mit Open Source Apps bestreiten.

Der Kern meiner Datensynchronisation verläuft über mein Synology NAS. Seit Anfang des Jahres erledige ich meine Datensicherungen via Vorta/Borg auf das NAS. Das Synology NAS habe ich schon einige Jahre und werde es weiternutzen, bis es aus dem Herstellersupport fällt, aber ob ich mir erneut von Synology NAS kaufen werde, muss ich sehen. Auf einen Linux-Homeserver wie früher mit der ganzen Bastelarbeit und dem Betreuungsaufwand habe ich aber definitiv keine Lust mehr. Und ob die Welt bei QNAP wirklich rosiger aussieht? Hoffentlich steht hier keine Entscheidung in 2023 an.

Kommunikation

Im Bereich Kommunikation gab es einige extrem erfreuliche Entwicklungen. Signal hat bei mir erneut einen riesigen Satz nach vorne gemacht und bildet heute die Basis für einen Großteil meiner Kommunikation. Nur 2-3 renitente Kontakte erfordern noch WhatsApp auf dem Smartphone. Wäre ich konsequenter, könnte ich WhatsApp vermutlich jetzt schon deinstallieren, aber bei solchen Sachen bin ich oft bequem und habe keine Lust mit den Leuten über den genutzten Kommunikationskanal zu verhandeln. Missionieren können gerne andere, ich mache das schon lange nicht mehr.

Gelitten unter der Entwicklung hat einerseits Threema und andererseits die klassische E-Mail. Beruflich sind Mails immer noch das Rückgrat meiner Kommunikation, aber privat laufen darüber wirklich nur noch Benachrichtigungen oder Vertragssachen. Ich habe keine fünf privaten Mails dieses Jahr erhalten und verschlüsselt war davon natürlich keine. Auf der Arbeit habe ich sogar ein S/MIME Zertifikat und signiere ebenso wie die meisten internen und externen Kollegen fleißig meine Mails. Verschlüsselung nutzt dagegen trotzdem niemand. Die Mail-Verschlüsselung war nie lebendig, deshalb kann man sie auch nicht für tot erklären. Erledigt ist sie aber allemal.

Die größte Überraschung war dagegen Mastodon. Nach den ersten Meldungen über den beabsichtigten Kauf von Twitter durch Elon Musk war ich höchst skeptisch. Im Herbst ging es dann ganz schnell. Meine Blase migrierte in rasantem Tempo im November, ich löschte dann ziemlich schnell mein Konto und ein Ende der Migration von Twitter zu Mastodon ist deutschsprachigen Raum noch nicht abzusehen. Damit ist erfreulicherweise eine meiner „Sünden“ gegen Ende des Jahres 2022 plötzlich weggefallen.

Dienste

Ein paar Dienste habe ich schon genannt. Den ganzen PIM-Bereich betreibe ich immer noch selbst über mein Synology NAS. Das gilt auch für den Bereich „Cloud“ und RSS-Synchronisation.

Bei Diensten, die ich nicht selbst betreiben kann oder will, versuche ich möglichst datenschutzfreundliche Angebote zu nutzen, aber alles hat Grenzen. Als Suchmaschine nutze ich immer noch gerne DuckDuckGo und finde manche Kampagne gegen DDG im vergangenen Jahr höchst zweifelhaft. Daneben greife ich immer noch auf Google zurück. Vor allem, wenn ich nicht genau weiß, was ich eigentlich suche, liefert Google deutlich bessere Ergebnisse. Navigation läuft über OSM. Auf dem Smartphone hatte mir jemand Organic Maps empfohlen, das dann sehr schnell das für mich überladene OsmAnd abgelöst hat. Die Entwicklung ist stabil und erfreulich.

Sünden

WhatsApp ist noch da, Twitter dafür weg. Neu hinzugekommen ist ein smarter Staubsaugerroboter. Wirklich datenschutzfreundliche Lösungen gibt es in dem Bereich nicht. Man kann lediglich zwischen verschiedenen weniger guten Lösungen wählen. Mein SONOS Soundsystem und mein LG TV mit webOS dürften auch ganz ordentlich nach Hause funken. Das könnte ich theoretisch mit einem pi hole abblocken, aber mache ich nicht, weil ich einige Funktionen und Voreinstellungen von pi holes prinzipiell ablehne.

Insgesamt also im Bereich Datenschutz und Privatsphäre bei mir ein höchst unspektakuläres Jahr, bei dem viel Hardware und deren Systeme einfach weiter liefen und es wenig Veränderungen gab.

16. Dezember 2022

Mozilla hat mit Firefox 108.0.1 ein Update außer der Reihe für seinen Desktop-Browser veröffentlicht und behebt damit ein Problem der Vorgängerversion.

Download Mozilla Firefox 108.0.1

Mit dem Update auf Firefox 108.0.1 behebt Mozilla genau ein Problem, welches unter sehr speziellen Umständen auftrat.

Wer eine Firefox-Version älter als Version 108 nutzte, die Standard-Suchmaschine auf eine der anderen Suchmaschinen eingestellt hat, die Firefox von Haus aus mitliefert, ein neues Firefox-Profil erstellte und dann die Datei search.json.mozlz4 aus dem alten in das neue Profil kopierte, sah nach einem Update auf Firefox 108 wieder die reguläre Standard-Suchmaschine, welche in den meisten Ländern Google ist, und nicht die im alten Profil konfigurierte Suchmaschine als Standard.

Der Beitrag Mozilla veröffentlicht Firefox 108.0.1 erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.

Fr, 16. Dezember 2022, Lioh Möller

Pine64 hat in ihrem Dezember-Newsletter Details zum Nachfolgemodells des PineTabs bekannt gegeben. Die Idee zur Entwicklung eines Linux-Tablets entstand nach Angaben des Autors in Jahre 2018 in einem kleinen Pub in Brüssel und bereits 2 Jahre später konnte das erste PineTab bestellt werden.

Bei der nun angekündigten Nachfolgeversion handelt es sich um ein vollständiges Redesign. Das neue 9 mm dicke Metallgehäuse bietet laut Pine64 mehr Stabilität und soll sich für Reparaturen oder Hardware-Modifikationen über mehrere Schiebeverschlüsse öffnen lassen. Der Aufbau des PineTab2 ist modular gehalten, um eine Reparatur auch für technisch nicht versierte Anwender möglichst einfach zu halten. Ähnlich wie bereits beim PinePhone und dem PinePhone Pro sowie dem PineBook Pro der Fall war, ist geplant, Ersatzteile für das Gerät anzubieten.

Das PineTab2 soll sich über einen integrierten USB2-Port laden lassen. Ferner sollen ein USB3-Anschluss, ein Kopfhöreranschluss, ein micro SD Slot sowie ein micro HDMI Port zur Verfügung stehen. Wie bei Tablet-Computern üblich bietet auch das PineTab2 zwei Kameras, wobei die Auflösung 2 MPx bei der Frontkamera und 5 MPx bei der Rückkamera betragen soll. Der aktuell vorgestellte Prototyp verfügt über einen 6000mAh, die finalen Spezifikationen wurden allerdings noch nicht festgelegt.

Besonders interessant dürfte auch die Wahl des SoCs sein, bei dem sich Pine64 für das Modell RK3566 entschieden hat, dessen Unterstützung durch den Linux-Kernel bisher als unvollständig angesehen werden kann. Der Entwickler Pillow konnte in den letzten Monaten allerdings viele Verbesserungen in den Mainline-Kernel einbringen, welche bereits in die kommende Kernel-Version 6.2 Einzug halten sollen.

Das PineTab2 soll in zwei unterschiedlichen Konfigurationen angeboten werden, einer Variante mit 8 GB RAM und 128 GB Flash sowie einem Einsteigermodell mit 4 GB RAM und 64 GB Flash Speicher. Auch eine abnehmbare Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung, welche zusätzlich dem Schutz des Displays dient, soll standardmässig mitgeliefert werden.

Bei der Wahl des vorinstallierten Betriebssystems hat sich der Hersteller bisher noch nicht festgelegt.

Quelle: https://www.pine64.org/2022/12/15/december-update-merry-christmas-and-happy-new-pinetab/

15. Dezember 2022

Do, 15. Dezember 2022, Lioh Möller

Ein lang ersehntes Feature im sogenannten File Chooser Dialog des GNOME-Desktops konnte nach 18 Jahren realisiert werden. Bei diesem handelt es sich um die Ansicht, welche zum Auswählen von Dateien angezeigt wird.

Der bereits im Jahre 2004 eröffnete Feature Request beschreibt eine Möglichkeit zur Darstellung von Ordnern und Dateien im Raster, wie es seit Längerem im Dateimanager Nautilus üblich ist. Ferner bestand der Wunsch nach einer Vorschau, welche das gezielte Auswählen von Dateien vereinfachen könnte.

In einem Blogpost hat der Entwickler Matthias Clasen nun die Verfügbarkeit der lang ersehnten Funktion angekündigt. Über ein entsprechendes Symbol lässt sich die Ansicht umschalten.

Daraufhin präsentiert sich der Auswahldialog, wie von Nautilus her bekannt.

Möglich wurde dies durch die Verwendung des gleichen Datenmodells in GtkListView und GtkGridView.

Quelle: https://gitlab.gnome.org/GNOME/gtk/-/merge_requests/5163

14. Dezember 2022

Die MZLA Technologies Corporation hat mit Thunderbird 102.6 ein planmäßiges Update für seinen Open Source E-Mail-Client veröffentlicht.

Neuerungen von Thunderbird 102.6

Mit dem Update auf Thunderbird 102.6 hat die MZLA Technologies Corporation ein planmäßiges Update für seinen Open Source E-Mail-Client veröffentlicht und behebt damit aktuelle Sicherheitslücken. Darüber hinaus bringt das Update diverse Fehlerbehebungen und Verbesserungen, welche sich in den Release Notes (engl.) nachlesen lassen.

Der Beitrag Thunderbird 102.6 veröffentlicht erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.

13. Dezember 2022

Mozilla hat mit Firefox 108 für Windows, Apple macOS und Linux veröffentlicht. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Neuerungen zusammen – wie immer auf diesem Blog weit ausführlicher als auf anderen Websites.

Download Mozilla Firefox für Microsoft Windows, Apple macOS und Linux

Lesezeichen-Symbolleiste bei leerem Tab

Firefox besitzt die Option, die Lesezeichen-Symbolleiste entweder immer, nie oder nur bei neuen Tabs anzuzeigen. Letzteres funktionierte bisher nur bei Verwendung der Firefox-Startseite als neuem Tab. Ab sofort greift die Option auch, wenn eine komplett leere Seite als neuer Tab verwendet wird.

Firefox unterstützt Effizienz-Modus von Windows 11

Firefox 108 unterstützt den neuen Effizienz-Modus von Windows 11, womit Prozesse von Hintergrund-Tabs weniger Ressourcen benötigen.

Verbesserte Grafik-Performance unter Last

Das Frame Scheduling unter Last wurde verbessert. Als Nachweis dafür erreicht Firefox 108 im MotionMark-Benchmark ein deutlich besseres Ergebnisse als noch Firefox 107.

Add-ons für Website-Berechtigungen und WebMIDI

Firefox 108 unterstützt eine neue Art von Browser-Erweiterungen, nämlich Add-ons für Website-Berechtigungen. Gemeinsam mit der ebenfalls neuen Unterstützung für die WebMIDI-Schnittstelle können Musiker beispielsweise auf einen Synthesizer zugreifen, der am Computer angeschlossen ist.

Weitere Verbesserungen der Webplattform

Das HTML source-Element unterstützt jetzt auch das width– sowie das height-Attribut, wenn es als Kindelement eines picture-Elements verwendet wird.

Firefox 108 unterstützt sogenannte Import Maps für den Import von JavaScript-Modulen.

Auf CSS-Seite werden nun trigonometrische Funktionen unterstützt. Außerdem können in mathematischen Funktionen jetzt auch die Konstanten pi und e verwendet werden.

Für die Content Security Policy (CSP) können nun auch die HTTP-Header-Direktiven style-src-elem, style-src-attr, script-src-elem sowie script-src-attr verwendet werden.

Für Erweiterungs-Entwickler relevant ist, dass Firefox jetzt eine Warnung ausgibt, wenn eine Erweiterung installiert wird, deren Versionsnummer nicht dem empfohlenen Schema entspricht. Die browserAction.openPopup()-Methode unterstützt nun auch einen optionalen Parameter für die Fenster-ID.

Mehr Sicherheit für Firefox-Nutzer

Auch in Firefox 108 wurden wieder mehrere Sicherheitslücken geschlossen. Alleine aus Gründen der Sicherheit ist ein Update auf Firefox 108 daher für alle Nutzer dringend empfohlen.

Sonstige Neuerungen von Firefox 108

Die Prozessverwaltung (about:processes) kann jetzt auch über die Tastatur geöffnet werden, indem Shift + ESC gedrückt wird.

Firefox unterstützt nun die korrekte Farbkorrektur von Bildern, die mit ICCv4-Profilen gekennzeichnet sind. Außerdem werden nicht-englische Zeichen beim Speichern und Drucken von PDF-Formularen jetzt unterstützt.

Der Datenimporter unterstützt jetzt auch den Import von Favicons aus dem Internet Explorer.

Firefox unterstützt den Export gespeicherter Zugangsdaten als CSV-Datei. Wird über about:config der Schalter signon.management.page.fileImport.enabled auf true gesetzt, können Zugangsdaten via CSV-Datei auch in Firefox importiert werden. Diese standardmäßig deaktivierte Funktion war seit Firefox 104 defekt und funktioniert ab Firefox 108 wieder.

Der Beitrag Mozilla veröffentlicht Firefox 108 erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.

GNU/Linux.ch 13. Dezember 2022 15:00

Der Linux-Kumpel

Di, 13. Dezember 2022, Lioh Möller

Dies ist ein Meinungsartikel aus der Serie 'Spass am Dienstag'

Die Wahl der passenden Linux Distribution erfolgt meist aus unterschiedlichen Gründen, sei es das Paketformat, die mitgelieferte Desktopumgebung, die Aktualität oder der Umfang.

Das klingt erst mal sehr technisch, doch tatsächlich ist das wichtigste Kriterium, dass man sich wohlfühlt und das nicht nur mit dem Betriebssystem, sondern auch mit der Community. Wenn man Anwender fragt, warum sie sich für die Distribution der Wahl entschieden haben, werden so auch zumeist technische Gründe angeführt, doch diffus schwingt im Hintergrund zumeist ein Gefühl mit, dass sich schwer in Worte fassen lässt.

In diesem Artikel versuche ich einige Linux-Distributionen mit menschlichen Charaktereigenschaften zu belegen. Vielleicht erkennt sich ja der oder die Eine wieder (oder auch nicht).

Debian GNU/Linux - die Diva

Lang gibt es sie schon, die Diva Debian GNU/Linux. Erfahren und etwas in die Jahre gekommen, bietet sie alles, was sich das Herz eines Linux-Anwenders wünscht. Meist höflich und zuvorkommend, hat sie doch auch ihre zickigen Phasen, und so kommt es vor, dass man an einem schlechten Tag auf eine Frage im Forum auch mal mit einer Let Me Google that for you Antwort abgespeist wird.

Fedora - der Unverbindliche

Immer auf der Suche nach dem nächsten Kick und der technisch besten Entwicklung riskiert Fedora bewusst, den Nutzer das ein oder andere Mal vor den Kopf zu stossen. Immerhin geht es um das Allgemeinwohl und da muss man schon einmal Opfer in Kauf nehmen. Das Neueste ist natürlich immer das Beste und so erinnert sich Fedora oft nicht mehr an das Gesagte von gestern. Denn wer liest schon gerne eine alte Tageszeitung?

Gentoo - der misstrauische Enthusiast

Viel Aufwand und Zeit (und Strom) bedeutet der Betrieb und die Nutzung der Gentoo Distribution. Alles muss aus den Quellen compiliert werden, da man sich selbst am meisten vertraut, die beste Optimierung aus dem eigenen System herauszukitzeln. Gentoo User sind gerne unter sich und tauschen sich über die neuesten Erkenntnisse aus. Als aussterbende Art geniessen sie heute einen besonderen Schutz.

Arch Linux - der pragmatische Elitist

Einfach soll es sein und schnell gehen, dabei aber zumindest den Ansprüchen eines Gentoo Benutzers genügen. So waren viele der ersten Arch Anwender und Entwickler auch ehemalige Nutzer der Gentoo Distribution. Viel zu aufwendig waren aber die Prozesse und so musste alles möglichst praktikabel vereinfacht und optimiert werden. Geblieben ist jedoch der Elitismus, der gerne auch kultmässig zur Schau getragen wird (I use Arch btw).

Ubuntu - der konfliktscheue Fanboy.

Ubuntu User sind meistens treue Seelen und stehen mit viel Herzblut hinter der Distribution, auch wenn sie selbst zumeist nicht aktiv an deren Entwicklung teilnehmen. Andere werden nur selten akzeptiert, denn in Ubuntu haben sie ja bereits das Beste gefunden. Doch nicht nur für sich; gerne würden sie auch andere davon überzeugen. Aufgrund der konfliktscheuen Art gelingt dies leider jedoch nur selten, denn bei den meisten Linux Usern zählen harte Fakten mehr als Werbebotschaften. Zur Gewinnung neuer Anwender, welche zuvor noch keinen Kontakt mit dem Freien Betriebssystem hatten, leisten Ubuntu User einen unermüdlichen Einsatz.

MX Linux - der rüstige Rentner

Etwas altbacken und einen Modestil liebend, der bereits in den 90er-Jahren nicht mehr en-vouge war, präsentiert sich der MX Linux Anwender. Er scheut die Kommandozeile und dessen sind sich die Macher der Distribution sehr wohl bewusst. Daher werden für die unterschiedlichsten Aufgaben kleine grafische Helferlein ausgeliefert, denn der rüstige Rentner traut sich mehr, wenn man in einer Oberfläche einen Knopf umstellen kann. Das muss ja einfach funktionieren. Wie es für Rentner üblich ist, möchten auch sie gerne wahrgenommen werden, und so werden auch mal Statistiken auf Distributionsbewertungsseiten manipuliert. Die Renten sind sicher!

openSUSE - der unsichere Unternehmer

Immer dem grossen Vorbild Red Hat nacheifernd gelang es openSUSE nie eine eigene Identität zu finden. Alle bisherigen Versuche scheiterten oder wurden von der Unternehmensleitung unterbunden (We adopt, you ...?). Auch in sonstigen Bereichen hat der Chef immer noch das letzte Wort, auch wenn man sich nach aussen hin gerne als Community präsentiert. Viele Prozesse passieren hinter verschlossenen Türen und der Anwender bekommt davon meist nichts mit. Dafür ist auch der openSUSE User verlässlich und treu, vielleicht etwas konservativ.

Manjaro - der ambitionierte Laie

Wie auch die Macher der Distribution (die gerne mal vergessen, das SSL Zertifikat der Webseite zu erneuern), sind auch die Anwender ambitionierte Laien. Etwas tollpatschig, sind sie jedoch immer interessiert und ihresgleichen gegenüber freundlich gesinnt. Die latente Angst, Arch Linux könnte nicht stabil genug sein, führt dazu, eigene Wege zu gehen und so muss jedes Paket, das von der Mutterdistribution kommt, erst mal unter Augenschein genommen werden. Gerne wäre man auch für Neueinsteiger etwas wie Ubuntu und in der etwas laienhaften Art fühlen sich viele zu Hause, da sie das Gefühl vermittelt auch mal Fehler machen zu dürfen.

NixOS - der versierte Besserwisser

Wahrscheinlich kennt kaum jemand sein System so gut, wie der NixOS User. Immerhin hat er es auf dem Reissbrett konzipiert und dann voll ausgefahren, genauso wie er es sich vorgestellt hat. Darüber unterhält er sich auch gerne mit anderen Leidgenossen bei Usertreffen oder im Netz. Und natürlich ist der deklarative Ansatz der Distribution der einzig wahre Weg, was aus technischer Sicht sicherlich auch stimmt. Dabei vergisst er jedoch, dass dieser Weg vielleicht nicht für alle anderen passt.

Falls dir eine Distribution fehlt oder eine Charaktereigenschaft ausgelassen wurde, schreibe es einfach in den Kommentaren.